In Deutschland „stirbt“ man nicht – man „entschläft“


In Deutschland „sterben“ nur wenige, die Deutschen „entschlafen“ oder „gehen heim“. Zumindest wenn man dem Bremer Klaus Dirschauer glauben mag. Dieser analysierte in den 70er Jahren über 10.000 Todesanzeigen und kam zu dem Ergebnis, dass „Tod“, „Sterben“ und vergleichbare Begriffe selten in Nachrufen verwendet werden.

Der totgeschwiegene Tod

Dirschhauser stellte fest, dass der Tod durch Nicht-Erwähnung verdrängt wird. Vielleicht tut es zu sehr weh das Kind beim Namen zu nennen. Es werden meist Formulierungen wie „von uns gegangen“, „abberufen“, „die Welt verlassen“, „ein Herz hat aufgehört zu schlagen“ und „ist zum Schöpfer gegangen“ bevorzugt, teilweise aber auch sehr kreative Metaphern. So wurde ein Bremer Kapitän mit folgenden Worten verabschiedet: „Er hat nach schwerer Krankheit seine letzte große Fahrt angetreten.“

Wenn Prominente sterben

Wenn Prominente sterben verhält es sich anders: So titelte Bild Online am Todestag von Vicco von Bülow pragmatisch: Der große Loriot ist tot. Oder Spiegel-Online: Britischer Pop-Star: Amy Winehouse ist tot. Hier dient das Wort „tot“ selbstverständlich als Eye-Catcher, es soll dazu anregen den entsprechenden Artikel zu lesen. Und: es handelt sich um eine Meldung, nicht um eine Todesanzeige.

Warum lesen viele Menschen gerne Todesanzeigen?

Eine Theorie warum Traueranzeigen solch ein Faszination ausüben, lautet in diesem Zusammenhang, dass man sich mit dem eigenen Tod beschäftigen kann, ohne ihn zu sehr an sich heranzulassen. Eine andere: im Tode sind alle gleich. Der Prominente und der Fabrikarbeiter, der Millionär und die Hausfrau. Interessanterweise können die wenigsten Leser von Traueranzeigen erklären, warum Sie selbst diese gerne lesen.

Neue mediale Formen für Todesanzeigen

Die klassische Variante einer Todesanzeige in einer Zeitung droht auszusterben. Warum? Das Internet verdrängt die Printmedien zunehmend. So gibt es mittlerweile einige Anbieter von Todesanzeigen im Internet, beispielsweise http://todesanzeigen-online.de/.

Die Leserschaft informiert sich mittlerweile digital, so liegt es auf der Hand, dass auch Anzeigen im Netz geschaltet werden. Zudem bietet die Online-Annonce viele Vorteile: so verschwindet die Anzeige nicht nach einem Tag, sondern bleibt dauerhaft bestehen. Der Nachruf kann weltweit eingesehen werden. Auch von Hinterbliebenen, die die entsprechende Tageszeitung nicht abonniert haben und sie aufgrund räumlicher Entfernung nicht einmal erwerben können. Und außerdem sind die neuen Anzeigenformate im Internet in den meisten Fällen kostenlos.

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